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Spannende Führung durch das Schlossmuseum in Langenburg
Kein Schlossgespenst erschreckt in dem alten Gemäuer die Besucher. Doch wer an einer Führung teilnimmt, staunt über die geringe Körpergröße der Ritter oder ist entzückt vom Taufkleid der Prinzen.
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| Die Buben beugen sich vor, um den Eingang zum Geheimgang genau zu sehen. Er soll ins Jagsttal führen. Foto: Wolfgang Schweikert |
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Die etwa achtjährigen Buben aus der Gruppe schauen neugierig ins Rohr der kleinen Salut-Kanonen. Sie reichen ihnen gerade mal bis zum Bauch. "Salutschüsse zur Geburt der fürstlichen Kinder hat Prinz Philipp zu Hohenlohe-Langenburg wieder eingeführt", erklärt Schlossführerin Claudia Erb. "21 Schüsse gibt es für einen Prinzen, 19 für eine Prinzessin."
Die Buben hören schon nicht mehr zu. Das mit den kleinen Kindern interessiert sie nicht - wenig weiter haben sie eine Ritterrüstung entdeckt. Die Frauen bei der Schlossführung dagegen haben Feuer gefangen. Sie beugen sich über eine Vitrine und zeigen sich von dem fein bestickten Taufkleidchen entzückt, das die fürstlichen Kinder getragen haben.
Claudia Erb weiß, was die Besucher erwarten: Bloß keine langweiligen, geschichtlichen Zahlen; dafür ein bisschen diskreten Klatsch über die fürstliche Familie, ein bisschen Grusel angesichts des großen Schlossbrandes 1963 und etwas Glamour, wenn Fotos von europäischen Adeligen zu betrachten sind.
Etwa eine Stunde dauert der kurzweilige Spaziergang durch die Museumsräume des Schlosses. Das Privatleben der Fürsten ist abgeschirmt. Nur durch eine Hecke kann ein Blick auf ein Trampolin erhascht werden, auf dem möglicherweise die beiden Söhne und die Tochter sich austoben. Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg und seine Frau Saskia - beide Betriebswirte - haben keinen Domänenrat angestellt, sie sitzen selbst hinter dem Schreibtisch, berichtet Claudia Erb. Man hört heraus, dass sie diese Tatkraft schätzt.
Auch dass Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg jüngst bei der Hochzeit des britischen Prinzen William war, wird erwähnt. Er besuche seine königliche Großtante Elizabeth öfters und gehe stets nach Ascot zum Pferderennen oder werde zur Jagd eingeladen.
Die Details befriedigen die Neugierde der Besucher - so wird der Kopf frei, die Kuriositäten des Hauses zu entdecken. Etwa die Stuckdecke, auf denen griechische Götter lustvoll zugange sind. Oder die Baum-Bibliothek. Aus Holz und Rinde sind Schatullen in Buchform gefertigt. Im Inneren sind die gepressten Blätter und getrockneten Früchte des jeweiligen Baumes zu sehen. Anschaulicher kann man Bäume kaum entdecken. Spannend die Öfen - einer von ihnen verursachte den Schlossbrand. Damals fror sogar das Wasser in den Schläuchen ein, das von der Jagst hochgepumpt wurde, erzählt Claudia Erb. Man atmet auf und freut sich über die heimische Zentralheizung.
Die Kammerzofe erzählt vom Besuch der Queen
Saison Die Hauptsaison im Langenburger Schlossmuseum geht noch bis 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit). Montag ist Ruhetag, werktags ist zwischen 11 und 16 Uhr (letzter Einlass) geöffnet, am Wochenende zwischen 10.30 und 17 Uhr (letzter Einlass). Führungen beginnen zu jeder vollen Stunde. Für die nachfolgenden Sonderführungen braucht es eine Gruppengröße von 20 Personen, bei der Kinderführung 15 Kinder plus 2 Erwachsene.
Für Prinzen und Prinzessinnen Kinder können sich bei der Führung "Auf den Spuren von Leo und Poldine" als Ritter und Burgfräulein verkleiden. Die Tour führt auch in den Gewölbekeller und in die Wächterkammer.
Für Gartenfreunde Helene mit dem Grünen Daumen führt bei der Gartenführung Gruppen ab 20 Personen durch die Orangerie und berichtet über die Konzeption der barocken Gärten.
Für Hintergründige Domänendirektor Baron Julius Georg Einhard von Roeder war hochdekorierter Beamter am Hofe. Bei der Führung "Der Baron wird indiskret" schlüpft Heinz Erhardt in dessen Rolle und erzählt Hintergründiges.
Für Klatschbasen In ganz Langenburg wurde die letzte Kammerzofe nur "Bertl" genannt. Sie hat 40 Jahre lang gedient und war bei vielen Ereignissen hautnah dabei.
Einkehren Mehrere Gaststätten und Cafés in Langenburg stehen zur Auswahl. In Bächlingen lockt beispielsweise die Mosesmühle, in Blaufelden-Billingsbach der Gasthof Hertensteiner Mühle.
Umgebung Langenburgs Teilort Bächlingen liegt am Kocher-Jagst-Radweg. Dort startet die 47 Kilometer lange Oberamtstour. Neben dem Schloss Langenburg kann das Automuseum besichtigt oder der Waldkletterpark besucht werden.
Elisabeth Schweikert; Haller Tagblatt vom 06.08.2011 |