Newsbeitrag
| Über Geistliche der Weltreligionen |
| 17.01.2012 |
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"Berufen und bestellt" heißt eine Sonderausstellung im Rabbinatsmuseum Braunsbach. In der Schau werden Geistliche der Region vorgestellt, die dem Judentum, dem Christentum oder dem Islam angehören. Der Andrang bei der Vernissage am Sonntag war so groß, dass die Stühle nicht reichten. Allerdings muss gesagt werden, dass die Räume im Museum nicht eben groß sind: Das Rabbinat ist in einem typischen Braunsbacher Bürgerhaus. Die Vorsitzende des Vereins Elisabeth Quirbach sagte in ihrer Eröffnungsrede, dass es zum Programm des Rabbinatsmuseums gehöre, die Pluralität religiöser Überzeugungen aufzuzeigen. Deshalb informiert die aktuelle Sonderausstellung über jüdische Rabbiner, christliche Pfarrer und muslimische Imame. Neben zahlreichen Infotafeln sind Exponate wie Gebetsbücher und Amtsroben der verschiedenen Religionen zu sehen. Beeindruckend ist, wie akribisch und liebevoll die Verantwortlichen das Thema aufarbeiten. Das Highlight der Ausstellungseröffnung boten jedoch drei Videointerviews, in denen aktive Würdenträger über ihre Tätigkeit berichten. Nathanel Wurmser ist seit 2002 Landesrabbiner in Baden-Württemberg. Er hat seinen Amtssitz in Stuttgart, dort befindet sich auch eine Synagoge. Wurmser ist verheiratet und hat acht Kinder. Zur Berufskleidung gehört eine Kopfbedeckung, meist trägt er einen breitrandigen Hut. Mit seinem grauen Vollbart entspricht er der Vorstellung, die man von einem Rabbiner hat. Wurmser, der in der Schweiz geboren wurde, studierte in Israel. Er erinnert sich gerne an die Zeit, denn "er neige zum Studieren". Als Landesrabbiner ist er für alle jüdischen Mitbürger im Land von der Wiege bis zur Bahre zuständig. Der Einfluss auf die Familie des Landesrabbiners ist sehr groß, die Ehefrau und die Kinder müssen die Aufgabe mittragen. Ganz anders präsentiert sich der junge evangelische Pfarrer von Bubenorbis und Geißelhardt Tobias Rößler. Er ist 34 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Humorvoll berichtet er, dass das Händeschütteln eine typische Handbewegung seines Berufsstandes sei. Als geschäftsführender Pfarrer komme schnell eine Wochenarbeitszeit von 55 bis 60 Stunden zusammen, knapp 40 Prozent davon seien mit Papierkram gefüllt. Mit seinem Gehalt kann der Pfarrer die Familie versorgen, der Kopf bleibe frei für die Aufgaben in der Gemeinde. Rößler hat oft das Gefühl, dass der Beruf kein Ende habe, das berufliche Umfeld sei ja immer da, die Gedanken kann er nicht abschalten. Musa Abdurahmanoglu ist seit September Imam in der Haller Mevlana-Moschee. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Derzeit lernt er am Haller Goethe Institut deutsch. Der Imam bleibt für fünf Jahre in Schwäbisch Hall. Als Beamter bekommt er sein Gehalt vom türkischen Staat. Wegen der vielen Verpflichtungen und einer Sieben-Tage-Woche hat der Imam wenig Zeit für seine Familie. Da seine Frau auch Theologie studiert hat, können sie Aufgaben teilen, zum Beispiel Religionsunterricht geben. Ungefähr 50 Prozent der Gemeindeglieder kommen zum Freitagsgebet in die Moschee, der Zusammenhalt ist sehr stark; das hat sich auch beim Bau der Moschee gezeigt. Durch das Gegenüberstellen der drei Berufsbilder entstanden hochinteressante Eindrücke. Zu weiteren Informationen bietet sich ein Besuch der Ausstellung an. Info: Das Rabbinatsmuseum hat im Winter keine regulären Öffnungszeiten. Gruppen ab fünf Personen können sich anmelden unter der Telefonnummer 07906/85 12 oder 07906/ 94 09 40. Die Ausstellung läuft bis 2. April. |







